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Wissenschaftliches Schreiben

Titelblatt

  • Titelblatt mit deutschem und englischen Titel (Der Titel sollte die Hauptaussage/ Haupterkenntnis wiederspiegeln; beispielsweise „Molecular analysis of Aspergillus nidulans light regulation”)
  • Entstehungsort (Institut/AG, Universität, Firma)
  • Angabe Referenten/Betreuer der Arbeit Datum Bearbeiter
  • Datum
  • Bearbeiter

Danksagung und Verzeichnisse

  • Danksagung
  • Inhaltsverzeichnis
  • Dieses sollte normalerweise nicht mehr als eine Seite einnehmen (bei Doktorarbeiten zwei)
  • Um zu viele Unterkapitel zu vermeiden, bietet es sich an Kapitel zusammen zu fassen
  • Häufig gibt es im Material und Methoden Teil viele Unterkapitel, dabei liegen viele auf einer Seite und können ebenso als ein Unterkapitel verzeichnet werden Abbildungsverzeichnis und Tabellenverzeichnis Abkürzungsverzeichnis
  •  Da es sich um eine wissenschaftliche Arbeit handelt, sollen hier keine Begriffe wie DNA, RNA, H2O oder Artnamen stehen (auch nicht Abb. oder Tab.)
  •  Nur Abkürzungen aufnehmen, wenn diese häufiger im Text erscheinen (>5!), bei der ersten Verwendung ausschreiben und Abkürzung in Klammern: Beispiel: „Die homologe Rekombination (HR) ist ein wichtiger Prozeß…Diese Gliederungspunkte werden häufig mit römischen Ziffern nummeriert Zusammenfassung/ Abstract

Zusammenfassung/Abstract

  •  Schon im ersten Satz soll vermittelt werden worum es grob geht, die wichtigsten Wörter sollten enthalten sein (z.B. Bakterien können Metalle atmen…, Die Fähigkeiten und Lebensweisen vieler Mikroben sind bisher nicht verstanden…)
  • Beginnt mit einer kurzen Einleitung, geht über in konkrete Werte/ Zahlen (Ergebnisse) und endet mit einem zusammenfassenden Satz, welcher die Hauptaussage wieder aufgreift Dieser Abschnitt sollte nicht länger als eine Seite sein (bei Doktorarbeiten evtl. zwei)
  •  Steht normalerweise immer am Anfang der Arbeit (kann sich aber auch am Ende hinter der Diskussion befinden)
  • Ist auf die Zielsetzung abgestimmt

Einleitung und Zielsetzung

  • Was muss der Leser als Vorwissen haben, um die bahnbrechenden Ergebnisse meiner Arbeit richtig einordnen zu können? Nur diese Aspekte sollten vorgestellt werden, nicht eine komplette Zusammenfassung des gesamten Gebietes Für den Leser nachvollziehbar
  • Die Einleitung muss „breit“ und eventuell interdisziplinär sein. Je mehr Details eine Einleitung braucht, desto eher geht der Leser davon aus, dass die Publikation an sich auch nur Details zum Bekannten hinzufügt.
  • Die Einleitung muss hinführen zu einer Fragestellung, die am Ende auch niedergeschrieben wird und mit deren Beantwortung sich der Rest der Arbeit beschäftigt.
  • Die Einleitung darf nicht zu lang sein. 10-20 Seiten sind das Maximum für Bachelor-, Diplom- und Doktorarbeiten.
  • KISS: Keep it simple but scientific; Worum geht es? Welche Frage wird gestellt? Warum ist die Fragestellung wichtig/interessant? Was war die Motivation für die Arbeit? Zeitform: Präsens, wenn ältere Ergebnisse geschildert werden
  • Imperfekt
  • Vorgehensweise, Was soll erreicht werden?
  • =>Überleitung zur Zielsetzung
  • Zielsetztung Zeitform: Imperfekt
  • Soll knapp formuliert sein (in einer Bachelorarbeit etwa eine halbe Seite)
  • es ist oft hilfreich, wenn man die Zielsetzung am Schluss in Frageform formuliert (das hilft, Dinge auf den Punkt zu bringen - wenn man es nicht als Frage formulieren kann, hat man seine Aufgabenstellung nicht verstanden).

Material und Methoden

  • Wie lief der Versuch tatsächlich ab?
  • Was muss geschrieben werden, damit die Ergebnisse reproduziert werden können?
  • Man muss sein biologisches Material genau beschreiben (das bedeutet auch, dass man weiß, mit welchem Stamm, welcher Mutante, welcher Art man arbeitet, wo die herkommt, das bedeutet auch, dass man die Wirkweise seiner Inhibitoren kennt und gelesen hat)
  • Alle Abweichungen und Besonderheiten (vom Skript) müssen angegeben werden
  • Nur Notwendige Punkte aufführen (z.B. ob eine Probe im Wasserbad oder Thermoblock (und von welcher Hersteller-Firma) temperiert wurde ist in der Regel egal), außerdem sollten Protokoll-Schritte sinnvoll zusammengefasst werden
  • Wenn möglich, Passiv vermeiden
  • Der Material und Methoden Teil kann hier erscheinen, in einigen Zeitschriften steht er jedoch hinter der Diskussion
  • Laborslang vermeiden („Eppis“ (von der Hersteller-Firma Eppendorf) heißen im Labordeutsch Reaktionsgefäße)
  • Reihenfolge sollte nicht chronologisch, sondern sinnvoll sein
  • Zeitpunkte und Konzentration einer Behandlung müssen klar benannt und angegeben werden
  • Prinzip: jeder muss das Experiment nachmachen können (das ist das Prinzip von Wissenschaft)

Ergebnisse

  • Beginnend mit einem kurzen Einleitungssatz oder auch -Absatz über das Experiment. Bei jedem Experiment sollte man am Anfang die Motivation offenlegen (was wollte man mit dem Experiment fragen?). Experimente sind für einen bestimmten Zweck strukturierte Realitäten. Diesen Zweck muss man offenlegen.
  • Es ist hilfreich, mit Zwischenüberschriften zu arbeiten, die kurz und knackig sagen, was herausgekommen ist.
  • Auch die Anordnung der Ergebnisse erfolgt nicht chronologisch, sondern soll inhaltlich sinnvoll sein
  • Ergebnisse enthalten keine Wertungen/ Interpretationen, diese gehören in den Diskussionsteil
  • Ergebnisse in eigenen Worten wiedergegeben und beschreiben Was kam konkret heraus?
  • Was sind wichtige, was sind weniger wichtige Ergebnisse?
  • Wie oft wurde das Ergebnis erzielt, welche Abweichungen gab es dabei?
  • Wie wurden die Ergebnisse erzielt?
  • Sind die beobachteten Unterschiede signifikant im Sinne der Statistik?
  • Was ging schief?
  • Es hilft euch selbst und den Lesern, wenn Ihr am Ende des (oder jedes) Ergebnisteils eure Ergebnisse kurz auflistet. Das gibt Euch dann schon den roten Faden für die Diskussion
  • Alle großen Ergebnisse müssen durch Abbildungen gestützt sein, anhand von ihnen soll es möglich sein zu erfassen worum es geht und was herauskam, dennoch sollte die Anzahl der Abbildungen auf das Nötigste reduziert werden (nur diejenigen, welche für die „Erzählung“ wichtig sind, sollten im Ergebnisteil erscheinen)
  • WICHTIG: Abbildungen brauchen Legenden, diese beschreiben grob die Bedingungen des Experimentes (z.B. wieviel Protein geladen wurde), sie sollten Informativ und selbsterklärend sein und nicht nur aus einem Titel bestehen
  • WICHTIG: Abbildungen haben Unterschriften und Tabellen haben Überschriften
  • Abbildungs- und Tabellennummerierungen sind durchlaufend seit der Einleitung (Abb. 1, Abb. 2, …, Tab. 1, …)
  • Bitte beachten: Beobachtung und Deutung sauber trennen. Wenn man beschreibt, sollte man erklären, was zu sehen ist, nicht das, was man darüber denkt (das gehört in die Diskussion).

Diskussion

  • Hier sollte am Anfang kurz und knapp gesagt werden, was die Fragen waren und was die zentralen Ergebnisse waren
  • Generell gilt: Interpretation der Ergebnisse im Vergleich zu bekannter Literaturlage (evtl. mit Ausblick)
  • Diese sollte keine Wiederholung des Ergebnisteils sein, jedoch können die Ergebnisse kurz zusammengefasst und auf die Verlässlichkeit hin untersucht werden (hier kommt der Hinweis auf mögliche Fehlerquellen, welche bei der Deutung zu beachten sind, auch diese sollten diskutiert werden)
  • Anfangs eng am konkreten Versuch, gegen Ende allgemeiner werdend (Wie könnte die Arbeit weitergeführt werden? Gibt es Abwandlungen, Verbesserungsvorschläge oder neue Versuchsansätze für neue Experimente?). Man sollte einen Blick voraus werfen und sagen, was noch offen ist und wie man das künftig angehen könnte.
    Zu einer richtigen Diskussion gehört auch, dass man eine Hypothese entwickelt, aus der man diese künftigen Arbeiten ableitet. Ebenso gehört zu einer richtigen Diskussion ein Abschnitt, wo man die Grenzen seiner Methodik anschaut und angibt, wie sicher oder unsicher die Daten sind.
  • Dieser Teil zeigt die wissenschaftlichen Fähigkeiten des Autors, er sollte nicht zu kurz sein und eine Verbindung zwischen eigenen und bereits bekannten Ergebnissen herstellen, dadurch zeigt sich auch ob der Autor seine eigenen Ergebnisse verstanden hat und diese einordnen kann
  • Am Ende der Diskussion sollte man noch einmal explizit die Fragen aus der Einleitung beantworten, damit es rund wird. Schlussfolgerungen ziehen und die Ergebnisse noch einmal auf den Punkt bringen

Literaturverzeichnis

  • Auch Prüfer sehen sich das Literaturverzeichnis an und dieses kann leicht zeigen ob sich jemand mit der Arbeit Mühe gegeben hat oder ungenau gearbeitet wurde, gerade deshalb sollte beim Verfassen des Literaturverzeichnisses insbesondere auf Genauigkeit und korrekte Zitation geachtet werden
  • Alle Literaturstellen, welche im Text genannt werden, müssen hier auftauchen, aber man sollte auch nur das zitieren, was man selber gelesen hat
  • Der Aufbau richtet sich nach der verwendeten Form im Text: entweder nummeriert oder alphabetisch (auch wenn eine Literaturstelle mehrfach im Text verwendet wird, wird sie im Verzeichnis nur einmal aufgeführt)
  • WICHTIG: Das Literaturverzeichnis muss einheitlich sein: z.B gleiche Abkürzungen der Journals, einheitliche Groß-/Kleinschreibung
  • Wenn Literaturstellen aus Pubmed übernommen werden, so müssen diese nachformatiert werden (Titel sollten nicht nur aus Großbuchstaben bestehen)
  • Internetstellen sind Zitate minderer Qualität und sollten vermieden werden (keine Peer-Review)
  • Es gibt verschiedene Meinungen zum Thema Abkürzungen der Journal Namen, entweder gilt: Wenn der Titel aus mehr (!) als einem Wort besteht, sollte er Abgekürzt werden z.b. The EMBO Journal zu EMBO J. (Die Abkürzungen können mit oder ohne Punkt geschrieben werden, aber einheitlich) ODER der Name wird immer ausgeschrieben.
  • Bei Zitierung von Büchern: Titel und Kapitel-/Absatzüberschrift, Editoren, Verlag, Erscheinungsort und -jahr, Seitenzahl der ersten und letzten Seite von der zitiert wurde, evtl. ISBN-Nummer

Beispiele für Zitationen:

Im Text:
  • Ein Autor: (Müller 2017)
  • Zwei Autoren: (Müller und Mustermann, 2017)
  • Drei oder mehr Autoren: (Müller et al., 2017)
Im Literaturverzeichnis:
  • Autor(en)(Jahr). Titel. Zeitschrift Bandnummer, Seitenzahl
    Bsp.: Zekert, N. & Fischer, R. (2009). The Aspergillus nidulans kinesin-3 UncA motor moves vesicles along a subpopulation of microtubules. Mol Biol Cell 20, 673-684.

Formalien

  • In den allermeisten Fällen müssen die Wörter „ich“ und „wir“ vermieden werden. Ausnahmen sind Bewerbungen auf z.B. Stipendien in denen man mit sich selber angeben MUSS. Es gibt aber unterschiedliche Praktiken und Meinungen; denn hinter den Daten muss eine Person stehen, die für die Daten auch die Verantwortung übernimmt. Hier am besten in Absprache mit dem Betreuer agieren
  • Nominalstil möglichst durch Verbalstil ersetzen, das trägt zur Lesbarkeit bei. Also statt "wurde mit den Überständen eine TCA Fällung durchgeführt" "wurden die Überstände mit TCA gefällt"
  • Gene klein und kursiv (cymA) Proteine groß und nicht kursiv (CymA) Gattungs- und Artname von Organismen kursiv, Stammbezeichnung nicht kursiv (Shewanella oneidensis MR-1)
  • WICHTIG: auch in Quellenangaben auf Kursiv-Schreibung achten! (Zitationsstil von Molecular Microbiology benutzen!)
  • Leerzeichen zwischen Zahl und Einheit! Nur bei Grad alleine (Winkelmaß) ohne Leerzeichen Zeilenabstand 1,5fach, Schrift Times New Roman 12, Blocksatz keine Laborsprache (nicht „gepreppt“ sondern „isoliert“, nicht „verdaut“, sondern „mit Restriktionsenzym geschnitten“ usw.)
  •  Tabelle mit Tab. X: abkürzen, Überschrift, Punkt am Ende (Tab. 22: Komponenten des 2x Protein-Ladepuffers.)
  •  Abbildung mit Abb. Y: abkürzen, Unterschrift, ebenfalls Punkt am Ende (Abb. 7: Schematischer Aufbau des Semi-Dry Western Blots.)
  •  Tabellen und Abbildungen dürfen nicht alleinstehen. Selbst im Materialien und Methoden Teil braucht es einen hinführenden Satz. „In Tabelle XY sind die in dieser Arbeit verwendeten Primer aufgelistet.“